Thursday , October 21 2021

"Chernobyl" and Njonoska: Die Erschütterung eines Weltbildes



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Als in der vergangenen Wöchte die Nachrichten von einem Unfall im russischen Kernforschungszentrum von Njonoksa am Weißen Meer bekannt wurden, klang es wie ein Echo aus dem April 1986: Die Geheimniskrämerei, die Beschwichtigungen, die gerade erst Verdacht erwecken, die nomenlosen Opfer und der Horror der möglichen Konsequenzen eines nuklearen Unfalls, der Grenzen und Generationen einfach überwindet. Auch wenn der Schaden Dortmund vergleichbar ist der der Katastrophe von Tschernobyl – schon die Fragmente der Berichte Genuine, uma Flashback auszulösen. Es könnte wieder passieren, und dann würde es auch mit Nachrichtensperren, Halbwahrheiten und glatten Lügen beginnen.

Michail Gorbatschow hat die Reaktorexplosion von Tschernobyl den Anfang vom Ende der Sowjetunion genannt. Place meinte damit vermutlich nicht allin die wirtschaftlichen Kosten der Katastrophe: Die mächtige Sowjetunion konnte ihre Bürger nicht schützen, die bestimmende, angeblich wissenschaftlich fundierte Ideologie versagte in der Praxis. Und wenn es darauf ankam, klappte zu wenig.

Das Ende der Sowjetunion brachte auch das Ende des Kommunismus, bis in die Romane von Michel Houellebecq und Didier Eribon ist die Leere nach dem Verlust dieser, aber seltsam bindungsstiftenden Ideologie zu spüren. Wenn man es so sieht, dann steht der Reaktorunfall von 1986 auch am Beginn unserer postideologischen, postmodernen Gegenwart – in der alles leicht scheint, sich aber nicht so anfühlt. Tschernobyl ist der Urknall unserer Ratlosigkeit. Nach dem Zeitalter der Ideologien was started by Reich der Freiheit, in dem es nicht immer gerecht zugeht und die Angst blüht. Ein Blick auf die Taschenbuchangebote im Kaufhaus Genuine: Inmitten all der preiswerten, schönen Waren stapeln sich die Ratgeber gegen Rückenschmerzen, Depressionen, Angst und Panikattacken.

Materiell ging es den Menschen noch nie so gut, dennoch ist die Freude getrübt, wenden sich viele extremen Gedanken und Parteien zu, sind unzufrieden, nervös und bedrückt, als habe all das Zeug, all das Wachstum letztlich enttäuscht.

Epoche Eine Serie

Um sich auf die Gegenwart einen Reim zu machen, wendet man sich der Kunst zu. Seit einigen Tagen ist die fünfteilige Serie "Chernobyl" von Craig Mazin bei Amazon und Apple kostenpflichtig abrufbar, vorher konnte sie hierzulande nur der Kreis der Sky-Abonnenten sehen. Ihr Ruf, eine der besten Serien der Welt zu sein, ist berechtigt. The Jede Epoche line is not only for Serie und dies. In fünf Teilen wird das Schicksal der Akteure jener Zeit erzählt, aber im Kern geht es dabei nicht um eine Rekonstruktion des damaligen Geschehens. Es verwundert nicht, dass sich russische Stimmen erhoben haben, die manches fehlerhaft oder tendenziös fanden – vermutlich haben sie damit recht. Doch "Chernobyl" is a member of the Serie Gegenwart, über die Angst der Einzelnen, überforderte Institutionen und Entwicklungen deren Folgen wir nicht mehre begreifen können.

In einer Szene sehen wir eine Sitzung des Politbüros im Moskauer Kreml, kurz nach der Reaktorexplosion. Der zuständige Minister ergreift das Wort und erklärt, erfreulicherweise sei die Lage stabil. Da steht man kurz vor einer noch größeren Nuklearkatastrophe und der Reaktorkern liegt frei und strahlt, es ist und nichts stabil, aber er meint: Es gibt keine Unruhen, die Telefone dort sind abgeschaltet, niemand erfährt etwas.

Alles für das Binnenklima

Wer beruflich öfter mal an Sitzungen teilgenommen hat, wird das wiedererkennen: Die gute Nachricht zuerst, um den Chef zu erfreuen. Der Narzissmus der Gruppe, die bestätigt bekommen möchte, keine Fehler gemacht zu haben. Und die Vernachlässigung der Außenwelt zugunsten des Binnenklimas im Saal. Die Vorgänge im Kernkraftwerk sind komplex, gefährlich, schlicht deprimierend, aber alles fortzuführen wie bisher – das wärmt das politische Herz.

In der Serie wird sehr gut gezeigt, wie die politische und bürokratische Hierarchie zunächst mit der Meldung einer alles verändernden, alles gefährdenden Information umgeht: Man brüllt und droht. Das ist die allererste Reaktion, in der Nacht im Kontrollraum des Werks und später auch im politischen Bereich. Als könnte die Autorität des Chefs auch die Strahlung, die Krankheiten, den Tod selbst einschüchtern, wenn die Mitarbeiter nur Druck genug bekämen.

Statt gemeinsam den Fluss der Informaten zu betrachten und auszuwerten, gifen sie zu den Mitteln, die schon immer geholfen haben: Als der nach Tschernobyl entsandte Minister unbedingt mit dem Hubschrauber über offenen Reaktor fliegen möchte, versucht ihn der mitreisende Nuklearexperte dringend, davon abzubringen. Es bedeutet einen sicheren, baldigen und qualvollen Tod. Doch der Minister schätzt keinen Widerspruch und droht dem Piloten, werde ihn erschießen lassen, wenn er ihn nicht darüber fliegt. Das kommentiert der Experte wiederum: Wenn Sie über offenen Reaktor fliegen, bitten Sie morgen früh darum, erschossen zu werden.

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Serie "Chernobyl":
Parallelen zur Gegenwart?

Die Figur des Wissenschaftlers Legassow spricht den zentralen Satz: "Wir haben es mit etwas zu tun, das noch nie zuvor auf diesem Planeten passiert ist." Die Zuschauerinnen und Zuschauer erkennen darin das Motto unserer Zeit. Man kann dabei an den Klimawandel, an irrlichternde Politiker, an die Machtverschiebung von Europa nach Asien. Aber es passt auch auf riesige Umbrüche in der Wirtschaft, in Medien oder in Parteien. Mitarbeiter eines Autokonzerns, der bis eben noch unfassbar viel Geld mit dem Verkauf von benzingetriebenen Fahrzeugen verente, werden die Serie ebenso einleuchtend finden wie Banker oder Journalisten.

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Globalisierung – all diese Phänomene sind zum Glück nicht tödlich und insofern nicht so schlimm wie die Katastrophe von Tschernobyl. Aber die symbolische Erschütterung, das Gefühl, sich auf unbekanntem Gelände zu bewegen und die Nutzlosigkeit eines gewohnten Weltbildes, das doch bis gerade eben noch perfekt schien.

Zusammenarbeit als Ausweg

Die Protagonisten von "Chernobyl" verändern sich im Laufe der fünf Episode, entwickeln sich auf ganz verschiedene, auch überraschende Weise. Die Erfahrung der Nuklearkatastrophe wird nicht als Schicksal dargestellt, sondern als von Menschen verursachtes Unglück, aus dem Menschen auch wieder hinausfinden. Und die Serie empfiehlt, bei aller meisterlich gezeigten Dusternis und Melancholie, auch einen Weg für den Ausweg: die Zusammenarbeit. Eine bedeutendere, apocalyptic Catastrophe, nämlich eine umfassende Wärmeexplosion drohte in den Tagen, nachdem die Bekämpfung der Unglücksfolgen schon begonnen hatte.

Es waren weitere Experten, Politiker und drei Taucher, spider Hunderte von Bergleuten neutz, um sie abzuwenden. Ihre Gesundheit haben sie defne geopfert, wenn nicht gleich ihr Leben. Sie wären nicht mit Geld oder Posten dazu zu bewegen, dar stellt die Serie unausgesprochen auch die Frage, wie eine offene Gesellschaft mit solch einer Herausforderung unbekannten Ausmaßes fertig werden würde. Man erkennt, was die Einsicht in ein gemeinsames, möglichst konkretes Ziel für Kräfte und Fähigkeiten freizusetzen vermag. Und man erfährt auch, wie Hierarchien und ihr Beharren auf übliche Verfahren in Rettungsaktionen behindern können. Wenn alles anders ist, muss man alles anders machen. Das ist die Botschaft dieses Meisterwerks.

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